Wie alles begann – Teil 1

Es muss irgendwann im Frühjahr 2007 gewesen sein, als ich im Meilenwerk Berlin einen piekfein aufgebauten B GT sah. Die Kiste – in schön dunklem British Racing Green – war eine Augenweide in Concourszustand und da ich schon lange auf der Suche nach einem stilvollen Ersatz für meinen rostigen Lastesel (Fiesta Courier Diesel) war, brannte sich der Rechtslenker in einer nicht unrelevanten Ecke meines Hirns ein.

Damals war ich bei einem Motorradladen im Verkauf beschäftig und hatte wenig Geld, wollte es aber trotzdem wissen. Meine Oldiekenntnisse waren abgesehen von einer dilettantischen Restauration eines Ford Taunus 12M P6 mit kleinem V4-Motor (die nicht einmal richtig beendet wurde) nur rudimentär vorhanden.

OK, ich habe früher den Zweitakter meiner kleinen 125er Mito regelmäßig erneuern müssen und bei meiner SR 500 blieb auch kaum eine Schaube im Originalzustand. Doch von einem Engländer rieten mir alle Leute, allen Voraus mein Vater als Mechanikermeister, ab. „Lenkrad auf der falschen Seite, Lucas – Prince of Darkness, rostige Eimer von der Insel…“ – was musste ich mir nicht alles anhören. Dass einige Hiobsbotschaften wahr werden sollten, war zu diesem Zeitpunkt a: egal, und b: nicht absehbar…

Unterdessen – wie immer, wenn ich mir ein neues Spielzeug zulege – durchforstete ich diverse Foren, Clubs und Literatur nach aufschlussreichem Material (unter Links zu finden). Es wurde klar, einen im besten Sinne primitiveren und günstigeren Klassiker als den B kann man kaum finden. Klischee hin oder her. Ersatzteile sind sehr preiswert, in Masse erhältlich und es gibt eine rührige Szene um die alten Engländer. Das überzeugt.

Aber – in Deutschland gab es kaum bezahlbares oder fahrbares Material, idealerweise aus der ersten Serie (schönstes Cockpit!) mit Speichenfelgen (eigentlich ein Must-Have) und Rechtssteuerung (das muss so). In Dresden fuhr ich einen Mk. II probe, dessen Motor kerngesund war, doch auf der Hebebühne schlossen auf einmal die Türen nicht mehr. OK, bloß weg hier! Über autotrader.co.uk habe ich dann schließlich im UK nach einer passenden Befriedigung gesucht, denn auch der deutsche Blätterwald hatte nichts Entsprechendes parat. Blöd nur, dass man dort zur Suche immer eine britische Postleitzahl im Kopf haben muss. W127RJ ist seither meine autotrader-Heimat. Generelle Details zum UK-Import von Oldies findet man hier.

Ich sprach in good old England mit vielen Anbietern, doch wie so oft war der Dubioseste auch der mit dem vielversprechendsten Wagen. „JPM970D“ stand in Preston, eine knappe Autostunde nördlich von Liverpool. Dank den Kollegen vom Billigflieger stieg ich schließlich in Begleitung von Chris, einem guten Freund, am 1. Mai 2008 in ein Taxi von Liverpool nach Preston – im Gepäck 5.000 Pfund und eine ADAC-Versicherung für ein ausländisches Kennzeichen (ca. 100 €).

Als wir in Preston ankamen, stand „JPM970D“, zum Ladenschluss einsam vor der Tür. Der Händler hatte es eilig – er war Capri-Fan und sammelte auch noch Sierras. Echt schrullig, die Briten… Die Probefahrt (das erste Mal Linksverkehr, oh man…!) verlief ergebnislos, da ich von den ganzen Eindrücken einfach überwältigt war. Fazit: Er fuhr. Im Stand hat der Wagen dann schon mehr berichtet: 7 Vorbesitzer, Restauration um 2001 vollzogen, retuschierter Heckschaden, mittelmäßiger Lack, schlechte Felgen, ein wenig Rost an den üblichen Stellen, mechanisch aber wohl alles paletti.

Falls dies ebensolche Ignoranten lesen, wie ich es damals war: Dann NICHT kaufen! Zur Beruhigung: Das kann man immer nur im Nachhinein wissen… Doch als Alternative für die Rückreise stand uns nur ein alter Volvo 940 Kombi für 300 Pfund als Option bereit, denn einen Rückflug habe ich – ganz schottisch – erst gar nicht gebucht gehabt. Eine schlechte Verhandlungsbasis, wenn man den Preis noch drücken will. Die Reise in einer maroden Karre quer durch Westeuropa hatte schließlich zu viel Reiz. Und Chris, der nur etwas von Computern versteht, fand den Sound des Edelstahlauspuffs einfach nur schön. Ich beugte mich meinen Emotionen und schlug zu. Der Beginn einer großen Liebe – trotz allem.

Weiter geht es hier.

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