Wie alles begann – Teil 3

Wie alles begann – Teil 3

Der TÜV hatte in Ermangelung von Kenntnis über Fahrzeuge vor 1985 fast blind sein OK für den deutschen Straßenbetrieb gegeben, nachdem eine Warnblinkanlage eingebaut und die Schweinwerfer auf den Rechtsverkehr umgerüstet wurden. Und auch das H-Gutachten war kein Problem.

Mit dem GT durch Berlin und Brandenburg – das war seit Mai 2008 meine Lieblingsbeschäftigung. Ob mit Freundin, Hund (schön die Nase aus dem Fenster) oder Bekannten – es war immer eine Gaudi, den kleinen Briten über die Straßen zu treiben. Gelegentlich waren wir sogar zu viert unterwegs, wenn’s abends in Kino ging. Auch das war kein Problem für Spencer und ich war stolz wie Bolle.

Besonders große Freude bereiteten mir regnerische Tage, bei denen die ausgedörrten Reifen (zwei Dimensionen und drei Fabrikate auf vier Felgen!) an der Starrachse nur spärlich Grip fanden und jede auch nur etwas drifttaugliche Kurve möglichst quer genommen wurde. Ich fühlte mich immer wie Rauno Aaltonen, wenn mir das Seitenfenster mehr Sicht versprach als die Windschutzscheibe.

Immer noch dachten viele Freunde, dass ich im Lotto gewonnen hätte, wenn ich im roten GT mit Speichenfelgen vorfuhr. Dass ein englischer Oldie sicher mehr Zuneigung, aber keinen größeren Geldbeutel als bspw. ein sterbenslangweiliger Golf fordert, war vielen nicht klar. Der Stilfaktor dominierte klar die Wahrnehmung.

Die fast täglichen Fahrten forderten den B allerdings mehr, als er es aus England gewohnt war. Sukzessive meldeten sich die Bremsanlage, der Anlasser, der Wasserkühler und die Kraftstoffpumpe mit Totalausfällen. Jedes Mal war ich dann dankbar für die ADAC-Mitgliedschaft und die gelben Engel waren auch immer sehr erfreut, sich mal nicht im synthetisierten Motorraum mit OBD-Elektronik des oben erwähnten Golfs austoben zu müssen. Die Werkstatt meines Vaters versprach dann die nötige Zuwendung.

Schließlich wurde der Alltagbetrieb zunehmend schwieriger. Die SU-Doppelvergaser ließen sich nur noch leidlich einstellen und die Welle zum Antrieb des Verteilerfingers hatte so viel Spiel, dass ein richtiger Zündzeitpunkt so wahrscheinlich war, wie ein Staatsbesuch der Queen ohne Hut. Ein defekter Steuerkettenspanner forderte dann zum ersten Mal ernsthaftere Eingriffe in die Mechanik. Die Teile konnten günstig bei Bastuck besorgt werden, doch kurz nachdem Spencer daraufhin nochmals voller Lebenslust die Straße in Angriff nahm, raffte ihn eine lebensmüde Kopfdichtung dahin.

Wir standen kurz vor dem Point of no Return. Verkaufen, reparieren oder richtig machen? Nach so vielfältigen Erlebnissen war an Verkaufen nicht wirklich zu denken (der Markt bot auch keine Nachfrage) und meine Konsequenz verbot es mir, den Motor zu reparieren, während sich die Baustellen anderweitig häuften. Außerdem fuhr meine Moto Guzzi – die ich im Winter 2009/2010 komplett neu aufgebaut hatte – so unauffällig genial, dass meine Stunden in der Werkstatt immer seltener zu werden drohten.

Der marode Brite ist seither die willkommene Chance, sich wieder die Hände schmutzig zu machen. In meiner künftigen Garage, die früher jungen Bullen als Stall diente, wird nun das neue Projekt in Angriff genommen.

Los geht’s!

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