Nackt, ausgelutscht und gesichtslos

Nein, wir reden nicht von einem abgehalfterten Pornostar nach Feierabend. Es geht immer noch um Spencer. Der kleine Brite hat nun völlig sein Gesicht verloren. Von Türen, Kotflügeln, der Motorhaube, Rädern, dem Kofferraumdeckel, allen Innereien und allerlei Chrom befreit ist der Wagen kaum noch als Auto zu identifizieren. Das freundliche Gesicht ist zu einer rostigen, nichtssagenden Fratze geworden. Was ist passiert?

Der letzte Schraubertag war so produktiv, dass kein Stein auf dem Anderen blieb. Das Cockpit ist nun vollends entfernt, der Innenraum wie leergefegt und auch den Motorraum bzw. den Unterboden habe ich von den letzten Ölleitungen, den Bremsschläuchen und der Kupplungshydraulik befreit. Alles „sauber“ sozusagen. Die Demontage all dieser Kleinigkeiten stellte mich vor erstaunlich wenig Probleme. Denn mittlerweile bin ich es eigentlich gewöhnt, jede dritte Schraube mit der Bohrmaschine zu entfernen, weil alles so festgerottet ist. Umso besser!

Ich war also im Fluss und habe mich nach diesen Arbeiten den letzten verbliebenen Teilen am Fahrzeug gewidmet: Dem Fahrwerk. Nach dem Abbau der Räder konnte ich Spencer auf der Hebebühne quasi unter den Meeresspiegel befördern. Die Vorderachse mitsamt Lenkung, Stabi und Fahrschemel fiel nach dem Lösen der vier großen Bolzen auf zwei Holzblöcke. Rummms! Ein ganz schön schwerer Brocken Metall.

Was mir dabei nicht auffiel: Jetzt war der Wagen vorn so leicht, dass die schwere, noch installierte Hinterachse alles aus dem Gleichgewicht brachte. Auf der Hebebühne konnte ich die Karosserie wirklich mit meinem kleinen Finger am Vorderwagen anheben. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich und alsbald habe ich den ganzen Kram unter den A-Säulen mit Zurrgurten gesichert. Schließlich will ich nicht irgendwann platt gedrückt unterm Auto enden…

Der besagte Fluss hielt an und so war ich motiviert, nach Einbruch der Dunkelheit auch noch die Hinterachse zu lösen. Ehrlich gesagt dachte ich, dass das mit mehr Aufwand verbunden wäre. Stoßdämpfer vier Bolzen, Fangbänder zwei Bolzen, Blattfedern vier Bolzen plus die Bremsleitung und das Ganze rumste abermals gen Boden. Es lebe die Einfachheit! Meine Allzweckwaffe, ein ausgemusterter Becks-Kasten (der nebenbei auch wunderbar als Guzzi-Hauptständer funktioniert) diente mir zunächst als Unterlage. Die Kardanwelle – immer noch am Differential befestigt – konnte ich nun problemlos lösen, nachdem das unter dem Wagen durch die beengten Platzverhältnisse nicht möglich war.  Nach nun 57 Arbeitsstunden ist also alles zumindest grob demontiert.

Mein Tageswerk war damit vollbracht, das Lager voll und ich fertig. Schrauben kann so befreiend, sein, dass man die körperliche Anstrengung erst am nächsten Tag bemerkt. Ein tolles Gefühl!

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