Improvisieren geht über Studieren

Gestern ging es der Hinterachse an den Kragen. Der dicke Eisenbrocken ist in der Werkstatt allein kaum zu bewegen. Man demoliert dabei im Zweifel nicht nur sich selbst, sondern auch seine nähere Umgebung – nicht gut in einem engen Lager. Außerdem fand ich bei Youtube zwei hilfreiche Videos zur Demontage des Differentials. Diese Filmchen nahm ich mir zum Anlass, die Hinterachse komplett zu zerlegen. Denn die Kleinteile lassen sich besser verstauen und das Differential will ich wegen seines großen Spiels sowieso überholen.

Also Achse auf die Werkbank gewuchtet, Bremstrommeln runter und… Ja, so einfach geht das nicht! Die Muttern waren ordentlich festgerottet, aber letztlich kein Vergleich gegen die Zentralmuttern in der Radnabe. Diese hat wohl jemand mit bösem Willen knackig festgezogen – und einen Druckluftschrauber hatte ich nicht zur Hand. Daher musste ich mir eine wagemutige Hilfskonstruktion aus umgekipptem Baumarktwagen und Schraubstock konstruieren, um die 34er Nuss mit einem langen Hebel zu lösen.

Was auf der einen Seite die feste Mutter, war auf der anderen ein um 90 Grad verdreht eingesetzter Splint. Beim Montieren der Radnaben muss man (eigentlich) darauf achten, dass die Löcher für die Splinte in der Nabe selbst auch mit dem Splint  fluchten. Das hatte der letzte Mechaniker an einer Seite wohl vergessen – und der Raum zum Entfernen des Splints war entsprechend gering. Allein dessen Demontage kostete mich über eine Stunde…

Nun ging es an die Innereien. Das Differential hatte ich ja schon mal geöffnet. Ein Entfernen der kleinen Kegelräder mit Ihren Anlaufscheiben im Korb war nach Ausschlagen ihrer Achse mit einem stumpfen Stahlbohrer kein Problem. Und auch die Lagerschalen für die Antriebswellen waren fix raus. Doch spätestens jetzt müsste man sich eigentlich eines mysteriösen MG-Spezialwerkzeugs bedienen, das ich weder kenne noch habe. Wie bekommt man also die mit Lager eingepressten Antriebswellen aus der Achse?

Ich Griff kurzerhand in die Schraubenkiste und fand entsprechend langes Material, mit dem ich die beiden Wellen im Differential gegeneinander verspannen konnte. Die linke Welle löste sich durch das Weiten und zusätzliche Einlegen von Unterlegscheiben zuerst. Nachdem sie entfernt war, konnte ich die rechte Welle durch den Schaft der Linken vorsichtig mit einem langen Rohr heraus schlagen. Super, wenig Aufwand und voller Erfolg, denn Wellen und Tellerrad waren nun draußen und verschwanden alsbald gut geschützt in Frischhaltefolie!

Gescheitert bin ich letztlich aber doch noch. Denn das Entfernen des Kronenrads auf der Kardanwelle mit den zwei Lagern ist mir zumindest bis jetzt ein Rätsel. Weiß da jemand mehr zu? Meine Werkstattliteratur half mir nämlich zunächst nicht weiter…

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2 Gedanken zu “Improvisieren geht über Studieren

  1. …schnell mal nachschlagen wie theoretisch wohl die Bremmstrommeln hinten abgenommen werden können und wo finde ich Bilder die mehr als tausend Worte sagen: bei Sven’s natürlich 🙂

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