Das Leben ausgehaucht

Samstag war endlich wieder mal Schraubertag. Am kurzen Vormittag ging’s dem Heck noch etwas zu Leibe, denn bevor ich die nächsten großen Schritte im Blechbereich beschreite, wollte ich noch ein wenig mehr über den Zustand der Heckpartie gewinnen. Fazit: Hinten rechts hatte es wohl mal richtig gerumst und englische Profischrauber haben ihr geballtes Halbwissen bei der Reparatur angewandt. Dreilagiges Blech, schlechte Schweißnähte, ordentlich Spachtel… Ich habe das ganz poröse Material grob entfernt, den Zinn unterm Tankdeckelloch gelöst und weiß deshalb nun, dass mich dort bald eine komplexe Rekonstruktion erwartet. Denn unter anderem ist auch die rechte Seite im hinteren Kotflügel zugespachtelt bzw. zugekittet, während unter dem Dämmmaterial auf der linken Seite alles Original erscheint.

Mit der Flex in der Hand erinnerte ich mich daran, dass in der A-Säule noch die Gewindestücke der Türscharniere schlummern. Diese konnte ich damals nicht entfernen, weil das Blech dort arg verbogen war und die Schrauben lösten sich nicht mehr. Die Löcher hätte ich gern vermieden, doch mit altem Metall in den Hohlräumen wollte ich mich auch nicht abfinden. Nach dem Rausfischen der Gewindestücke war auf jeden Fall klar, warum sich die Bolzen nicht mehr lösten: Rost sei Dank! Was man dabei immer beachten sollte: Nie ohne Schutzbrille flexen, denn das kann – ich weiß, wovon ich spreche – ins Auge gehen.

Große Glücksmomente hatte ich dann des Abends beim Motor zerlegen. Der Block war ja schon weitgehend gestippt, doch nun ging’s den Innereien an die Wäsche. Zunächst: Kupplung und Schwungmasse entfernen. Alles keine Problem mit einem Druckluftschrauber – den ich nicht zur Hand hatte. Also montierte ich nochmals den Zylinderkopf und legte eine große Nuss in den Brennraum. So konnte der Kolben nicht gen OT wandern und blockierte so die Drehbewegung der Kurbelwelle. Ein langer Hebel löste dann die 16er-Bolzen und später auch die 36er Riemenscheibe am Steuerkettendeckel im Nu.

Nach dem Abbau der hinteren Stahlplatte (darunter kommt unbekannter grüner Motorlack zum Vorschein!) nahm ich mit die Steuerkette vor. Simple Technik, die einen bei der Demontage nicht vor Herausforderungen stellt. Der Brite würde sagen: „A pretty straight forward job“. Genauso verhielt es sich mit der vorderen Stahlplatte und der Ölwanne, die den Blick auf den Ölsumpf und die Kurbelwelle freigab. Erstaunt haben mich dabei die Reste meines alten Steuerkettenspanners, den ich vor 2 Jahren nur noch in Teilen am Motor fand (die Kette lief entsprechend laut). Der Gleitschuh wurde damals regelrecht gefressen und dessen unverdaute Überreste lagen nun auf dem Boden der Ölwanne. Größere Schäden hat das offenbar nicht angerichtet.

Das Finale konnte beginnen: Ölpumpe und Sieb entfernen, Schaft des Verteilers herausnehmen, Nockenwelle ziehen, Pleuel lösen und diese mitsamt der Kolben nach oben aus dem Zylinder drücken. Das macht Spaß, denn man ist nun ganz tief in der Schrauberwelt angekommen. Zu guter Letzt habe ich dann die fünf Lagerböcke mit Ihren Schalen gelöst und mit einem hölzernen Hammerstiel Stück für Stück gelöst, um Spannungen in der Kurbelwelle zu vermeiden. Der geneigte Archivar markiert dabei die genaue Position der Teile, so dass alles reproduzierbar bleibt (auch wenn vieles ersetzt wird). Am Ende des Tages liegen dann alle Teile schön sortiert auf der Werkbank und der alte, ölige Motorblock gibt den Blick auf die Laufbuchsen frei.

Als Erkenntnis bleibt: Die Gleitflächen der Nockenwelle auf den Stößeln sind durchweg arg verschlissen und haben Pitting-Spuren. Der Kompressionsring des dritten Kolbens ist gebrochen. Die Lagerschalen der Kurbelwelle sind tlw. rot angelaufen, weil die Beschichtung offenbar völlig abgetragen wurde. Der Motor war also an seinem Ende und hat sich den Neuaufbau redlich verdient.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s