Die Reifeprüfung

Beim Durchforsten meines Computers bin ich vor kurzem auf alte Bilder meiner ersten Restaurationsversuche gestoßen. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Man fotografierte damals noch analog und bezog die Teile von persönlich bekannten Händlern, nicht aus dem Internet. Ja, erstaunlich…!

Der Wandel meines Fuhrparks, des handwerklichen Anspruchs sowie der Werkstatt, in der ich auch heute noch schraube, zaubern mir nun nach zehn Jahren ein leichtes Schmunzeln ins Gesicht. Und so bin ich ganz froh, mich zunächst an günstigen deutschen Kisten versucht zu haben.

Damals, es war 2001/2002, hatte ich mit einem guten Freund Zivildienst geleistet. Wir waren Single, hatten wenig Geld, aber viel Zeit. Und keine Ahnung von dem, was uns erwartet. Mein Vater hatte schon seit einigen Jahren einen alten Ford Taunus 12M P6 mit skurrilem 1,3-Liter V4-Motor in der Scheune zu stehen. Eine perfekte Spielwiese.

Der grundsolide und in seiner Einfachheit dem MG durchaus ähnliche Allerwelts-PKW von 1969 sollte also wiederbelebt werden. Mein Vater gab uns Quälgeistern irgendwann nach und opferte den Taunus. Ich weiß nicht, ob er wirklich an uns und das Projekt glaubte, doch seine Großzügigkeit ist ihm in jedem Fall hoch anzurechnen. Er selbst hatte noch einen 1972er 300 SEL (W109) eingelagert, an den er uns sicher nicht rangelassen hätte…

Der jugendliche Wahnsinn ermöglichte es uns, den Basis-Taunus – den wir bezeichnender Weise Rusty nannten – in wenigen Tagen auseinanderzurupfen. Im Laufe der Zeit dienten uns zwei weitere Schlachtautos – Heini (von der Nordsee) und Schnippel (dessen Spritzwand vorher von einem Bagger demoliert wurde) – als Organspender. Wenige hundert Euro reichten dafür aus. Aus drei mach eins war damit die Devise. Da wir Grünschnäbel damals praktisch bei Null anfingen, beschränkte sich unsere handwerkliche Leistungsfähigkeit allerdings aufs einfache Schrauben, Lackieren und Polieren.

Die Zeiten wandelten sich aber. Es gab irgendwann wieder Frauen in unserem Leben, mein Kumpel startete nach dem Zivildienst seine Karriere als Ingenieur bei Daimler und ich begann mein Studium in Berlin. An Fortschritt in der Werkstatt war also kaum zu denken. Die halbgaren „Taunüsse“ schlummerten unter einer immer dickeren Staubschicht vor sich hin. Irgendwann zog ich die Notbremse und verschacherte die drei sympathischen Kölner an einen Interessenten, der mir das Ganze zu den Kosten der bereits lagernden Neuteile abnahm.

Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Zu hoffen ist aber, dass wir die Kisten nicht völlig vernichtet haben und sie die Grundlage für eine glückliche Oldtimer-Liebe bilden. Bei Spencer habe ich nun ein besseres Gefühl und bin wohl auch ein wenig konsequenter.

Man wird halt doch reifer. Gar keine schlechte Sache übrigens…

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