Kolbengewicht angleichen – zweiter Versuch

So, nachdem der Motorenbauer am Samstag konsultiert wurde ist klar: Die 7,5 g Maximaldifferenz zwischen den einzelnen Kolben sollte man optimieren, doch die australischen JP-Verdichter bieten nicht sonderlich viel „Angriffsfläche“. Olli von UMAP sprach mir aber Mut zu, mit dem Dremel und viel Geduld ein gutes Ergebnis zu erzielen. Den Sonntag verbrachte ich daher zumindest teilweise im Dunst fliegender Aluspähne.

Um die Kolben zu unterscheiden, wurden erst einmal kleine Markierungen im Kolbenboden verewigt. Mit dem Dremel bzw. passenden Aufsätzen für die Bohrmaschine ging ich dann zunächst Kolben Nummer 3 sprichwörtlich an den Kragen, denn dort konnte ich fast die gesamte nötige Menge von 3 g abtragen. Die Kolben 1 und 2 hatten aber doppelt so viel Speck auf den Rippen, so dass ich behutsam große Teile der Innenfläche des Kolbens glätten musste. Regelmäßiges Auswiegen mitsamt Kolbenbolzen stellte dabei sicher, dass die Diät im 0,1 g-Bereich nicht übertrieben wird.

Wichtig bei der ganzen Sache ist außerdem, die Festigkeit des Kolbens nicht maßgeblich zu beeinträchtigen. Denn Stabilität geht über alles. Die Beschädigung des Äußeren käme außerdem einem Todesurteil gleich, so dass man entsprechend sensibel mit Material und Werkzeug umgehen muss. Eine Schrecksekunde war deshalb auch, als ein Kolben von der Werkbank zu rollen drohte und ich – glücklicherweise noch schnell reagieren konnte, um den unsanften Aufprall auf dem Steinboden zu vermeiden.

Nach gut zwei Stunden Rumgefummel mit Ohropax waren dann alle Kolbengewichte auf einem Niveau. Es blieb damit noch Zeit, den Heizungskasten final anzuschleifen, um ihm eine Portion schwarzen Lack zu spendieren. Da es aber – wie auch in London zum parallel stattfindenden 60. Thronjubiläum der ehrwürdigen Queen Elli Zwo – vor meiner Werkstatt in Strippen regnete und die Luft sehr feucht war, habe ich mir diesen Schritt fürs nächste Mal aufgespart.

Vielmehr war es mal wieder notwendig, die Werkstatt von Schmutz, Staub und nicht zuletzt den Metallspänen zu befreien, welche sich in den letzten Wochen angesammelt hatten. So verging der Tag wie im Flug und als ich am Abend wieder zu Hause war, steckte ich die Kolben noch für zwei Stunden bei 220 Grad in den Ofen, um Ihnen vor dem Einbau so richtig einzuheizen. Dabei sollen sich angeblich die letzten Spannungen im Metall lösen, was zu besseren Laufeigenschaften führt. Auch wenn ich der Wirkung dieser Prozedur nur wenig Glauben schenke, fand ich die Idee von Kolben im Ofen zu toll. Wie silberne Sahnetörtchen standen die Vier dann im Backofen und schwitzten vor sich hin. Ein Anblick für die Götter…

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