Kraft

Nicht Hannelore. Kein Ketchup. Kraft – einfach nur Kraft! Das war der Schlüssel zum Erfolg, um die 650 Kilos der Drehbank von der Europalette aufs Fundament zu hieven. Und es war eine Tortur…

Bevor der Brocken mit dem Rücken zur Wand steht, wollte ich diesen noch vom hartnäckigen Schmierfilm befreien, der sich über Dekaden auf der Maschine festgesetzt hatte. Mein Vater empfahl mir dazu ein biologisch abbaubares Konzentrat namens Fullback C. Es muss 1:4 mit Wasser vermengt werden und ergibt dann eine milchige Emulsion, die ein paar Minuten einwirken muss. Mit einem Pinsel habe ich dann die schmutzigen Teile der Drehbank eingestrichen. Das fabelhafte Wunderzeug war allerdings kein durchschlagender Erfolg – die Wirkung hielt sich in Grenzen.

Es musste aber reichen, so dass der Transport beginnen konnte. Mit dem (leicht unterdimensionierten) Kran, der schon Spencers Motor aus der Karosserie riss, wollte ich zunächst die Palette entfernen, um mit dem Kran unter die Drehbank zu gelangen. Holzblöcke und die Kupplungsglocke eines Ford Sierra waren ideale Distanzen dafür. Das klappte noch ganz gut und schließlich stand das Ding – nach anstrengendem Schieben und Wuchten – an der richtigen Stelle. Nebenbei erfuhr ich, dass man auch bei 2 Grad in der Werkstatt ins Schwitzen kommen kann.

So weit, so gut. Doch es gelang mir ums Verrecken nicht, die Bank richtig auf die Hölzer – oder irgendwo anders hinzustellen. Die rollenden Arme und die nahen Wände waren immer im Weg. Mir blieb für den Abend also nichts Besseres übrig, als das Ding einfach mitten im Raum abzustellen. Das ganze Debakel geschah übrigens wieder einmal unter den strengen Augen meines tierischen Nachbarn, der sich regelmäßig im Fenster blicken ließ…

Neuer Morgen, neues Glück. Im Schla­­­­f hatte ich offenbar eine Eingebung, denn es gab nun folgenden Plan: In den Wänden der Werkstatt hängen noch heute die Ösen, welche vor einer halben Ewigkeit Kühe am Futtertrog hielten (ja, ich bastele in einem alten Kuhstall). Daran könnte man womöglich die Drehbank Stück für Stück in die vorgesehene Ecke ziehen, ohne den Kran benutzen zu müssen. Und – in der Tat – mit meinen Zurrgurten klappte das ganz gut. Gaaanz langsam, aber bestimmt, wanderte der Brocken in die Ecke.

Als es für den Gurt und meine Arme keinen Platz mehr gab, kam dann nochmal der Kran zum Einsatz. Ich stütze ihn gegen die gegenüberliegende Wand ab, um die Maschine die letzten Zentimeter an die richtige Position zu schieben. Und auch das klappte. So müssen sich die alten Ägypter gefühlt haben, als sie mit physikalischem Geschick, Hebeln und der Kraft Tausender tonnenschwere Steinblöcke durch die Wüste zerrten. Es fehlten letztlich nur noch vier Löcher, Dübel sowie Muttern und das Ding war fixiert. Puh!

Hab ich sonst noch was geschafft? Na ja, zumindest konnte ich noch die Räder an Spencers Hinterachse montieren, um sie aus der Werkstatt ins eisige Zwischenlager zu verfrachten. Dann kann ich mich in Zukunft der Lenkung widmen.

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Ein Gedanke zu “Kraft

  1. Hi, das mit den Seilzügen ist ne klasse Idee, werde ich mir merken, bei den nächsten schweren Dingen die an Ort und Stelle müssen. Ich habe zwar nicht vor mir eine Drehbank zu kaufen, aber man kann nie wissen was da alles noch kommt. Gruß Juri

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