Hinter der Kulissen

Zumindest ein gewisser grad an Planung und – nennen wir es mal „Strategie“ – ist in meinen Augen nötig, um eine Restaurierung mit maßvollem Aufwand über die Bühne zu bringen. Dass „maßvoll“ in diesem Zusammenhang ein sehr deeehnbarer Begriff ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben… Ich selbst versuche, meine Logistik mit folgenden Hilfsmitteln zu strukturieren:

Zunächst einmal schieße ich an einem ganzen Tag hunderte Fotos, nicht wie vorgesehen mit einer 40 €-Billigkamera (weil die auch mal runterfallen dürfte), sondern mit einer guten SLR-Kamera (Canon EOS). Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die recht dunkle Werkstatt gerade im Winter sonst auf allen Fotos ein nerviges Rauschen verursacht. Qualität entscheidet, auch wenn eine staubige Werkstatt nicht gerade die beste Umgebung für eine teure Kamera ist. Zum jetzigen Stand sind – seit Beginn der Demontage – nicht weniger als 30 GB in über 5.000 Bildern zusammengekommen. Diese helfen jedoch ungemein bei der Dokumentation sowie dem nun langsam anstehenden Zusammenbau.

Auch wichtig ist ein Überblick über den „Teilestatus“. Ich führe seit Beginn der Arbeiten eine Excel-Liste. Darin ist jedes Teil mit einer eigenen, internen Nummer versehen und es sind möglichst alle nötigen Arbeiten, Lieferanten, Anzahl, Preise und viele weitere Details dazu vermerkt. Die Liste wächst stetig und wird regelmäßig upgedatet. So weiß man bspw. recht schnell, welche Teile für welche Baugruppe bestellt werden müssen. Ich habe aus diesem Grund auch oft einen Laptop dabei, um die Liste vor Ort anzupassen, in alten Bildern zu stöbern oder schnell mal im Internet nach etwas zu suchen. Denn die Werkstatt – so altertümlich die Umgebung ist – hat zumindest W-LAN.

Parallel zu diesen Mitteln nutze ich natürlich noch andere Methoden, um meine Ideen zu strukturieren. Preise werden verglichen, Ausgaben dokumentiert, Ideen sofort auf dem Whiteboard festgehalten oder Arbeitsstunden vermerkt. Nur so verhindere ich, dass ich meinen roten Faden im Dickicht der Einzelteile aus den Augen verliere. Genau aus diesem Grund hatte ich vor kurzem auch alle neuen und bereits restaurierten Teile auf dem Werkstattboden ausgelegt.

Mein gestriges Ziel war es nun, mit Hilfe der Liste alle Teile zu finden, die künftig verzinkt werden sollen. Schließlich will ich nicht jedes angegammelte Bauteil neu kaufen. Die Devise lautete also, im Lager in den unzähligen Kartons und Tütchen zu wühlen. Mission accomplished! – die Suchaktion war letztlich erfolgreich. Die Hydraulikpumpen, alle Sitzschienen und ein wenig Kleinkram der Schlösser sind zunächst fürs Verzinken eingeplant. Ich entfernte dann noch die Innereien der Haupt-Brems- und –Kupplungszylinder, wobei mir dabei die Frage in den Kopf schoss, ob man diese Teile nicht auch verchromen könnte – allein wegen des Looks. Ich werde mal sehen, ob das sinnvoll ist. Oder hat jemand damit Erfahrung?

Weiter ging’s mit der Pedalerie. Das Haltegestellt sowie die Pedale selbst hatte ich bereits pulvern lassen, so dass für einen künftigen Zusammenbau nur noch Kleinteile nötig waren. Diese suchte ich vergeblich im Haufen Spencers alter Schrauben, sondern fand sie gesondert und vorbildlich markiert irgendwo in den Tiefen des Lagers. Offenbar muss ich dort mal wieder klar Schiff machen, aber das ist ein anderes Thema… Die Achse der Pedalerie werde ich wegen meines Edelstahlfetischs aus VA neu ordern, doch dann können alle Teile gereinigt und das Bauteil zusammengebaut werden.

Kein Schraubertag ohne Schrauben! Dachte ich mir und suchte noch nach einem „Quickie“. Denn nur Teile sortieren ist nicht sonderlich befriedigend – ich wollte die Werkstatt mit einem Erfolgserlebnis verlassen. Da sprangen mir die Sitzgestelle ins Auge, welche sich natürlich leicht (mit etwas Edelstahl-Material, versteht sich!) zusammenfügen lassen. Gesagt, getan – ich kann schon fast wieder in meinem Auto sitzen!

Hier sei noch eine Randnotiz erwähnt: In den Sitzgestellen fand sich allerlei Strahlgut und feinste Metallspäne vom Strahlprozess. Man konnte das Zeug ganz gut aus den Löchern herausrieseln lassen (ein Bild zeigt die Menge eines halben Sitzes im Verhältnis zu einer ¼“-Ratsche). Ich möchte mir jedoch nicht vorstellen, wie diese Mischung in allen unzugänglichen Ecken und Winkeln einer selbsttragenden Karosserie liegt, feucht wird und auf Dauer rostet, wenn man einen ganzen Wagen strahlen lässt. Ein Moment, in dem man froh ist, die eigene Karosserie im KTL-Bad behandelt zu haben – obwohl es auch hier Zweifler gibt.

Wie auch immer – der weitere Tag wurde mit der Recherche potenzieller Lackfarben verbracht. Denn ich bin an diesem Punkt immer noch nicht weiter, obwohl es mein Ziel ist, den Wagen noch in 2013 lackieren zu lassen. Ich stöberte daher zur Inspiration in alten Ford-Lackordnern. Ob daraus eine Entscheidung resultiert, ist allerdings noch nicht klar.

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8 Gedanken zu “Hinter der Kulissen

  1. Nur als Anmerkung:
    Als ich die Bremsanlage meines Bond Bugs (mit identischen Hauptbrems- und Kupplungsgeberzylindern) überholt habe, bestand ein befreundeter Mechaniker auf eine Entlüftung mittels unter Druck gesetzter Bremsflüssigkeit.
    Dabei stellte sich heraus, dass die äußerlich noch recht ok aussehenden Zylinder von innen her durchgerostet waren!
    Kaum setzten wir sie leicht unter Druck, machte es leise *knack* und ein Strahl Bremsflüssigkeit kam uns entgegen!

    Nicht dass du deine alten Teile hübsch verchromen lässt und sie dann undicht werden…

    Adieu
    Adrian

    P.S.: Über eine (wegen mir auch „anonymisierte“) Version deiner Exceltabelle würde auch ich mich sehr freuen!

  2. Hey Marco – wenn Du wüsstest, welche Farbtöne mir gerade im Kopf rumschwirren… Ich hoffe, dass ich eines Tages aufwache und weiß, was ich will. Wie wärs mit einem Bierchen morgen Abend? Sven

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