Schweißarbeiten Vol. 4

Mein letzter Besuch von Spencer fand bereits Anfang Dezember statt. Genug Zeit also, dass sich Neuigkeiten in Sachen Blech ergeben. Und in der Tat war mein gestriger Besuch in Althüttendorf von Überraschungen geprägt.

Von hinten nach vorn – so schweißt man ein Auto. Und die Jungs hatten daher nach der Reparatur des Kofferraumbodens zunächst den hinteren linken Kotflügel abgenommen. Darunter fanden sich noch ein paar rostige Kleinigkeiten, die nun aber mittlerweile behoben wurden. Ein neuer Innenkotflügel ist mittlerweile verbaut, benötigte durch seine nicht perfekte Passform aber „gewaltige“ Zuneigung. Die originalen Werkzeuge, welche von BMH Ltd. für die Reproduktion der MG-Bleche genutzt werden sind also kein zwingender Pluspunkt in Sachen Passgenauigkeit.

Die etwa 87 Vorbesitzer hatten an Spencers Blech schon die ein oder andere „Optimierung“ vorgenommen. Unter anderem wurden Bleche für den Einbau von Lautsprechern in Höhe der B-Säule zersägt. Diese Schandtaten wurden nun durch den Einsatz von passenden Einsätzen wieder korrigiert. Gleiches fand an der C-Säule statt, wo der Rost so stark gewütet hatte, dass diverse Löcher im Blech den Geruch von Schweizer Käse in die Nase trieben.

Nun gut – das alles sollte mich nicht überraschen. Jedoch stand Spencer gestern völlig seines Hinterns entledigt auf dem Arbeitsgestell. Das Abschlussblech zum Kofferraum, inkl. Überresten der Rückleuchten lag nüchtern auf der Werkbank. Warum denn sowas?

Beim Beginn der Arbeiten am rechten Kotflügel sowie dem Heck offenbarten sich ungeahnten Tiefen dilettantischster Metallverarbeitung. In der Vergangenheit wurden nämlich die verrosteten Innenkotflügel bereits mit Blechstückchen verschlimmbessert – wohl nur, um der dicken Schicht Unterbodenschutz einen gewissen Halt zu geben. Und der Unfallschaden, den ich zunächst nur auf der linken Seite vermutete, wirkte sich offenbar auf den gesamten Hintern aus. Das Ende des Längsträgers ist nämlich bereits erneuert worden – wie wir nun wissen sicher nicht zum letzten Mal… Es kam also wie es kommen musste: Alle Kotflügelbleche sowie die gesamte äußere Wand des Längsträgers – welche aus einem Ensemble handwerksverachtend arrangierter Blechfetzen bestand – mussten weichen.

Auch im hinteren Teil des Schwellers sorgte Spencer für Erstaunen. Offenbar teilte man in England die Ansicht, dass eine große Menge an Teer bzw. Bitumen in den Hohlräumen rostschützend wirken könnten (tut’s offenbar sogar). In jedem Fall befand sich dort eine ansehnliche Ladung schwarzer Substanz, welche selbst durch das KTL-Bad nicht angegriffen wurde. Nun ist davon aber nichts mehr zu sehen.

Da der Mangel an Koti und Heckblech zu einer Instabilität der Karosserie führen kann, wurde zwischen Schweller, B-Säule und Dach eine Strebe eingeschweißt. So sollte das Dach auch da bleiben, wo es hingehört – oben. Spencer gibt nun den Blick auf seine innersten Werte frei, was es auch ermöglicht, die beiden Schweller genauer zu inspizieren. Sie wurden auch schon einmal ausgetauscht, jedoch kann man damit bzgl. Ausführung und Zustand durchaus leben. Das bleibt, ausnahmsweise.

Es geht nun darum, den gesamten Heckbereich zu rekonstruieren. Sehr wahrscheinlich werden wir daher auch die noch verbliebene, dünne Unterkante der hinteren Seitenscheiben erneuern, denn durch Feuchtigkeit sind auch diese Teile ziemlich korrodiert und malade. Ich bin dann vor allem gespannt, wie sich das Heck wieder zusammenfügen wird und werde großen Wert darauf legen, dass die Spaltmaße am Kofferraumdeckel genau passen.

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6 Gedanken zu “Schweißarbeiten Vol. 4

  1. Mann Sven …
    wäre eine neue Karosserie von HERITAGE nicht einfacher gewesen.
    Da hatte ich ja eine richtig gute Substanz bei meinem B…..

    Aber es geht ja vorwärts 🙂

  2. Klar wäre Heritage eine schnellere, konsequentere und wie ich denke auch günstigere Alternative gewesen. Aber: Konjunktiv: WÄRE! Denn Spencer ist gerade dieser Brocken Altmetall, da bin ich völlig irrational und pathetisch… 😉

  3. Manche Ecken sehen ja wirklich wüst aus. Zum Beispiel Bild metal65.
    Kannst Du nach Abschluss der Schweiß- und Karosseriearbeiten mal etwas zu den Kosten oder zumindest zu den in Rechnung gestellten Arbeitsstunden schreiben?

  4. Ui, die Preisfrage! 🙂

    Kurz vorab: Ich bin nach wie vor im Zweifel darüber, wie man mit der Kommunikation der Projektkosten in meinem Fall – als Blogger und Freund von Transparenz – umgehen soll. Über Geld spreche ich in so einem offiziellen Rahmen nämlich nicht so gern, das ist sicher verständlich. Daher nur so viel:

    In der Tat hab ich die gezeigten Horroranblicke nicht zwingend erwartet. Wie ich bereits Karsten schrieb, wäre eine neuwertige und unverbastelte Heritage-Karosserie gerade in diesem Hinblick durchaus sinnvoll gewesen – siehe oben. Derzeit liegt man da bei ca. 10K, bereits inkl. Transport nach Deutschland. An den Kauf eines GTs mit Note 1 denke ich gar nicht erst.

    Der Aufwand für Spencers Blech wurde – von mindestens vier unabhängigen Oldtimer-Profis – immer zwischen 200 und 300 h geschätzt. Jetzt schätze ich, dass man eher beim oberen Ende landet. In Polen zahlt man dafür min. 3,5K. Beim günstigen Schrauber in Deutschland sind das ca. 5K, das teuerste Angebot, das ich erhalten habe lag bei 10K und beruhte auf einer schlichten Multiplikation Aufwand x üblichen Netto-Stundenlohn – vielleicht angemessen, aber weltfremd…

    Mit meinen Karosserie-Jungs habe ich vorab ein genaues Pflichtenheft definiert und auf dieser Grundlage eine Pauschale vereinbart. Diese liegt im Bereich des polnischen Preises, jedoch nur, weil durch meine Dokumentation im Blog auch ein gewisser Werbeeffekt vorausgesetzt wird. Und mein Zeitdruck hält sich in Grenzen, was auch am langsamen Fortschritt aller Blecharbeiten zu erkennen ist. Das ist bei der Umsetzung ggf. ein Vorteil für die Handwerker. Inkl. KTL und der neuen Blechteile liege ich damit also auf Neu-Karosse-Niveau.

    Übrigens: Vor Beginn meiner Arbeiten hatte ich im MGDC-Forum mal nach einer Kostenschätzung des anstehenden Projekts gefragt. Und es zeichnet sich ab, dass Karstens Vorausahnung eine ganz gute Richtlinie ist. Nix für Sparfüchse oder pfennigfuchsende Buchhalter, denn dafür bekäme man einen tollen GT mit V8 in Top Zustand und hätte noch Geld für einen guten Mini über.

    Cheers! Sven

  5. hey sven, ich hoffe du übernimmst dich nicht finanziell, nach dem schweissen kommen ja noch erhebliche Kosten auf dich zu. Viel Spass beim weiteren schrauben. steini

  6. Nein, übernehmen werde ich mich sicher nicht. Zur Not wird das Projekt einfach auf Eis gelegt, bis wieder etwas Geld da ist. Das hat bisher gut funktioniert. Es gibt ja immer noch wichtigere Dinge im Leben.
    Doch Du hast Recht: Lack, Innenausstattung, Hohlraumkonservierung, Motor, Elektrik, Chrom, unzählige Kleinteile… – da kommt noch Einiges.
    Grüße nach Luxemburg!

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