Nachtrag zur Domstrebe

Nach einer lebhaften Diskussion um Sinn, Unsinn, Sicherheit und Authentizität meiner Domstreben-Konstruktion im MGDC-Forum erhielt das gute Stück nun im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig Feinschliff. Und wieder mal zeigte sich dabei, dass mir wenige Stunden einfacher Arbeit mit den eigenen Händen wunderbar helfen, mich gedanklich von den Wirrungen des Alltags zu befreien. Therapeutisches Schrauben, freier Kopf, once again. Ein Segen…!

Ich schnappte mir zunächst die Bolzen zur Befestigung in den Radkästen, spannte sie ins Bohrfutter und schliff dann – das Werkstück drehend – die Oberfläche mit der Flex glatt. Eine kleine 45°-Kante und ein wenig Politur wurden den beiden Köpfen auch noch verpasst. Das ganze sieht irgendwie gediegener aus als die geriffelte Originalstruktur der VA-Bolzen.

Daraufhin markierte ich alle kleinen Lager- und Fertigungsmacken auf dem Rohr und schliff diese ganz in Ruhe mit den Händen glatt. Selbige sahen danach aus, als würden sie nun selbst aus Metall bestehen… Ja ja, in der Tat – Handschuhe wären im Sinne der Sauberkeit förderlich gewesen, doch das hätte meine taktilen Fähigkeiten beim Erfühlen von Kerben zu sehr gedämpft.

Die Babypopo-glatte Oberfläche war nun jedoch optisch ungleichmäßig. Also wurde das gesamte Rohr flux mit der Bohrmaschine verbunden und das Gerät auf Dauerdreh gestellt. So konnte ich ohne großen Aufwand mit feinem Schleifpapier (und anschließend mit Stahlwolle) ein wunderbares, seidenmattes Finish erzielen. Tricky war dabei allein, dass das drehende Rohr während des Schleifens nicht aus der Mitte gedrückt werden durfte. Dann nämlich hätte die Unwucht schnell knapp zwei Kilo Alu auf einem Meter Länge mit ein paar Hundert Umdrehungen aus der Bahn geworfen. Nun ja, es hat geklappt. Improvisation eins, Vernunft null…

Das Ergebnis ist optisch durchaus ansprechend, fotografisch im Neonlicht der Werkstatt aber leider nicht sonderlich gut festzuhalten. Wie auch immer, zum Abend durften dann auch die Uniball-Enden wieder in das Rohr geschraubt werden. Es blieb sogar noch Zeit, den bisher nicht bearbeiteten Holzleisten der Sitzschienen einen weiteren Anstrich zu verpassen. Danach knipste ich das Licht aus, schlich mich in die windige Nacht hinaus und war mir sicher, dem Ziel wieder ein ganz kleines bisschen näher gekommen zu sein.

PS: Auch nicht original, aber – wie ich finde – umso eindrucksvoller sind wieder mal einige Feature Cars in der aktuellen British Classics. Unter anderem ein individualisierter TR5. Oder ein Vorkriegs-Bastard mit Flugzeug-V8 und offenem Ventiltrieb. Wunderschön, und wie immer sehr lesenswert…

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5 Gedanken zu “Nachtrag zur Domstrebe

  1. Hallo Sven,

    dem einen gefällts und dem anderen eben nicht ! So ist das nun mal im MGDC Board ( …und in vielen anderen Boards auch ) Lass‘ dich nicht von deinem Weg abbringen, ich find’s super und erinnere mich gerne an die 70er/80er, wo jeder seinem Auto die persönliche Note gegeben hat. Erlaubt ist, was gefällt ! Und im übrigen ist eine 1,2,3 Ignition auch nicht original…

    Stefan

  2. Hi Stefan,
    klar – andere Meinungen sind OK, mein Ding ziehe ich aber trotzdem durch. Ich baue Spencer schließlich nicht für den automobilen Mainstream, sondern für mich…
    Cheers! Sven

  3. Hi Sven, hab die Diskussion im Forum mitverfolgt und ob solcher Intoleranz nur den Kopf geschüttelt und mich eines Kommentars enthalten. Mach dein Ding und mach es wie es Dir gefällt. Ich finds gut. Wenn man immer nur nach dem Sinn fragen würde das Etwas macht, hätte es tausende wunderschöne Dinge nicht gegeben.

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