WIG-Schweißen für Anfänger – ein Selbstversuch

Zugegeben, ich finde Schweißen ja seit jeher äußerst spannend. Fürs kreative Basteln zu Hause genauso wie für die Optimierung von Moppeds oder Oldies. Bislang haben mir aber Zeit und/oder Mut gefehlt, die Sache ernsthafter in Angriff zu nehmen. Und für die Restaurierung von Spencers marodem Blechkleid kam mein Einsteiger-Know-How grundsätzlich nicht in Frage.

Es traf sich trotzdem gut, dass ich vor kurzem beim Stöbern im Netz über ein Kurs-Angebot der TÜV-Akademie (Rheinland) in Hohen Neuendorf gestolpert bin. Überraschend dabei: Die Akademie selbst weiß sich offenbar kaum zu vermarkten, sonst wäre ich bei früheren Recherchen sicher auf deren Offerte gestoßen. Dem ideellen Wert des dort geballten Wissens aus Sicht eines Hobbyhandwerkers ist man sich offenbar kaum bewusst…

Fest steht nämlich: Die TÜV-Akademie bietet für jeden Geschmack, jeden Wissensstand, jede Schweißart und für recht geringes Geld eine gewaltige Kompetenz an. Und ist – nach Absprache – gern bereit, zeitlich und inhaltlich ganz flexibel auf den Bedarf des Einzelnen einzugehen. Man kann als Normalsterblicher sogar ein paar günstige „Privatstunden“ buchen, während nebenan die Lehrlinge des Schweißerhandwerks nach offiziellen Richtlinien ausgebildet werden. Nach meinem Einsteigerkurs am Freitag (rund 140 € für einen ganzen Tag) werde ich daher erwägen, meinen Wissensdurst mit weiteren, ganz individuellen Kursen zu löschen. Hätte ich das mal vorher gewusst!

Auch wenn MIG, MAG – und wie sie alle heißen… – für bestimmte Zwecke (und auch im Kontext automobiler Anwendungen…) hier und da besser geeignet sind, entschied ich mich für das WIG-Verfahren. Denn es bietet mir ein paar echte USPs: Man kann unzählige Materialien damit verarbeiten (Alu, Kupfer, Stahl, Edelstahl…), mit oder ohne Zusatzwerkstoff arbeiten, erhält sehr saubere und höchst ästhetische Ergebnisse (Übung vorausgesetzt) und erlebt innerhalb recht kurzer Zeit auch als Anfänger wirkliche Erfolge. Als Nachteil erachte ich vor allem den Fakt, dass die Hardware nicht ganz billig ist und man mit WIG kaum Über-Kopf-Arbeiten durchführen kann – Unterboden schweißen is nich!

Der Kurs begann um 08:00 in einem Schulungsraum der Akademie. Uns begrüßte dort der Leiter der Schweißkursstätte, ein Handwerker wie er im Buche steht. Er weihte uns zunächst in ein paar sicherheitsrelevante Themen ein und begann dann, den erkenntnisreichen Weg der Theorie mit uns zu begehen. Die bunt gemischte Truppe an Zuhörern – allesamt ambitionierte Einsteiger mit verschiedenen Hintergründen – hing an seinen Lippen. Und niemand war sich zu schade, vermeintlich dumme Fragen zu stellen. Stück für Stück verpufften so die Fragezeichen über den Köpfen der Schüler, auch dank einer guten Dokumentation im Schulungsmaterial.

Zur Halbzeit ging es in die Werkstatt. Schutzklamotten und Schweißermasken wurden gestellt. Jetzt war  es soweit: Der Meister fertigte zunächst selbst ein paar Musternähte an und stellte dann jedem (!) der Teilnehmer eine eigene Kabine mit sehr hochwertiger Hardware zur Verfügung. Nach korrekter Einstellung der Geräte konnte man an sauber geschnittenem Stahlblech einen ersten Versuch wagen.

Und auch wenn die ersten Nähte eher wie grobschlächtige Wunden ins Metall gebrutzelt wurden – der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits die vierte oder fünfte Naht, noch ohne Zugabe von weiterem Material, sah bei allen Teilnehmern ganz passabel aus. Zwischendurch ruinierte jeder mal seine Elektrode und wurde dann gleich noch in den korrekten Schliff ebendieser eingeweiht. So konnte sich jeder in der Werkstatt wohl fühlen, Fragen stellen, mit Zusatzstoffen arbeiten und später auch mit Wechselstrom erste Gehversuche beim Alu-Schweißen machen. Das war gegenüber der Stahlblechverarbeitung nochmal eine ganz andere Erfahrung – doch auch diese war schnell von ersten Erfolgen gekrönt.

Der Schweißerkurs war deshalb aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Gute Theorie, flexible Praxis, tolle Ausstattung, akzeptabler Preis. Ich bin definitiv angefixt!!! Sicher, man erlernt nicht an einem Tag das Schweißen, doch mit den gebotenen Möglichkeiten ist ein sehr guter Anfang getan. Was will man mehr?!

Ich erwäge derzeit ernsthaft den Kauf eines AC/DC-Inverters… 😉

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5 Gedanken zu “WIG-Schweißen für Anfänger – ein Selbstversuch

  1. Seeehr gute Idee! Ist immer gut zu wissen, dass jemand in der Nähe einen Wig-Schweißer in der Werkstatt hat 🙂
    Beim reinigen meiner Motorteile ist mir eben gerade eine angerissene Motorhalterung in die Finger gefallen….

    Bis bald Stefan

  2. Hi Sven, Glückwunsch zu deinem Schweisskurs, mit genügend Training und dem richtigen Apparat macht schweißen richtig Spaß, nach einiger Zeit bekommst du die meisten Teile sauber geschweißt, beim Kauf eines Gerätes musst du auf eine gute Qualität achten, normalerweise kannst du die Geräte beim Händler testen. Ich habe mich für ein AC/DC Gerät von EWM entschieden. Mit diesem Gerät bist du gut bedient, stößt allerdings beim zuschmeißen von Löschern an seine Grenzen, dieses gelingt dir besser mit einem MIG Gerät, ein stufenlos einstellbares, damit schweiß du Bleche von 0,5mm Dicke. Das wichtigste aber ist die Sauberkeit der Bleche, keine Farbe, kein Fett, kein Rost, dann klappt es mit der Naht. Geräte aus dem Baumarkt würde ich mir nicht zulegen.
    Habe gestern bei meiner Vorderachse, welche seit 2 Jahren im Lager liegt, mit Schrecken feststellen müssen dass die neuen Gummistaubkappen der Spurstangenköpfe, Staubdichtringe und Gummibüchsen poröser sind als die Alten, die Staubdichtringe zerbröselten bereits beim leichten Ziehen? Mal sehen ob der freundliche Händler aus dem Saarland mir die Teile ersetzt, dann hoffentlich eine bessere Qualität, wenn nicht, schaue ich beim Nissan Händler vorbei. Danke für den Typ.
    Viel Spaß beim Schrauben und Schweißen.
    Steini

  3. Hallo Steini!
    ich bin aktuell wirklich vom Schweißvirus infiziert und werde mir sicher etwas zulegen – ohne Besuch beim Baumarkt, versteht sich. Mein Kursleiter bot mir an, ggf. als Produktberater zur Verfügung zu stehen. 🙂 Für den Großteil meines Bedarfs ist ein Einsteiger-WIG-Gerät in AC und DC wohl völlig ausreichend…
    Das mit den in Lichtgeschwindigkeit alternden Gummis ist leider ein wirkliches Problem. Ich würde in der Tat den Lieferanten in die Pflicht nehmen – das darf einfach nicht sein…
    Grüße aus Berlin! Sven

  4. Hallo Sven! Danke für deinen Beitrag. Kann man den Kurs auch ohne Vorkenntnisse machen? Wo melde ich mich für den Einführungskurs zum WIG-Schweißen an?
    Grüße!
    Thomas

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