Nägel mit V8-Köpfen

Nach den vielen Kommentaren (klasse!) zu meiner V8-Entscheidung habe ich jetzt Taten sprechen lassen. Mit dem Ergebnis, dass nun ein LT77-Getriebe mitsamt passendem Motor in meiner Garage ruht. 🙂

Zuvor bin ich in der Nähe von Kassel gewesen, um bei Axel, einem absoluten TVR-Aficionado mein künftiges Getriebe abzuholen. Ich hatte es bei Ebay zum üblichen Marktpreis ersteigert – rund 500 €. Es ist also kein Schnäppchen, doch es entstammt einem TVR 400 SE (100.000 Meilen), ist also für Leistungswerte um die 300 PS gebaut und verträgt äquivalente Drehmomente. Normale LT77-Versionen sind etwas schwachbrüstiger, wenn auch nicht gerade filigran konstruiert. Ein gute Grundlage also für einen satten V8, der bei mir aber wohl etwas weniger Leistung als beim TVR an die Hinterräder schicken wird.

Axels Garage bot Einblicke in eine kleine, feine Sammlung britischer Geschosse. Hier und da standen ältere TVR, sein Bruder schraubt gerade an einem Lotus Esprit S2, in der hinteren Werkstatt stand noch ein 1990er Griffith, ein extrem seltener 400er Linkslenker, ein zerrupfter TR4 sowie diverse V8-Motoren. Ein anglophiles Paradies…

Ich schmiss schließlich das Getriebe (eingewickelt in einen alten Teppichläufer) mitsamt Hebel fürs Ausrücklager und einen alten Schalthebel in meinen Kofferraum und rauschte von dannen. Denn zu Hause erwartete ich bereits die Lieferung des V8-Motors (4 Liter, Einspitzer, Crossbolt, mit diversen Anbauteilen, 145.000 km), der einem holländischen Range Rover Mk. II entnommen wurden, beim Ausbau noch lief und angeblich geprüft wurde. Der ultragünstige Preis (275 €), verhandelt via Ebay Kleinanzeigen, machte die Transportkosten auf Palette für weitere 80 € erträglich. Der blinde Kauf konnte somit kaum mehr zum Reinfall werden…

Vorgestern Abend konnte ich den ganzen Kram schließlich nach Hause chauffieren. Da schon das Getriebe den Kofferraum meines Alltagswagens gut ausfüllte, habe ich mir kurzerhand einen Abschleppwagen genommen und beide Teile die letzten Kilometer in meiner Garage transportiert. Natürlich musste es genau zu diesem Zeitpunkt in Strömen regnen, was das aufwändige Verladen zum wirklich feuchten Vergnügen machte. Doch schließlich kam ich kurz nach acht pudelnass in der Garage an und konnte den Kram mithilfe meiner übermotivierten Mutter (nochmal danke!) von der Pritsche werfen. Der V8 ist wirklich KEIN handlicher Klumpen…!

Es blieb nach dem Aufbocken auf Feuerholz noch Zeit für eine nähere Inspektion. Das Getriebe wirkt insgesamt unauffällig. Die Eingangswelle hat kein spürbares Spiel und auch sonst macht das Ding einen soliden Eindruck. Der Motor, derzeit noch eine Ansammlung unzähliger Schläuche für Öl, Kühlung, Klima, Servo etc. ist optisch gealtert, aber nicht allzu schlecht. Ein paar Strahlarbeiten und neuer Lack sollten das Äußere wieder auf Vordermann bringen. Und das Innere wird sowieso genau begutachtet und im Fall der Fälle überholt. Nach Demontage der Zündkerzen konnte ich mich zumindest davon überzeugen, dass er sich ohne Widerstand drehen lässt. Und keine offenbaren Leckagen hat. Erste, positive Zeichen… Der gerissene Krümmer stellt für mich kein Problem dar, denn das Teil wird mit vielen anderen schon bald den Weg auf den Schrott oder zu Ebay finden.

Jetzt heißt es ranklotzen! Denn der Motor soll demontiert werden, um alsbald Rumpf und Getriebe zu Classic Wheels zu bringen. Denn zum Einpassen muss eine provisorische Hochzeit stattfinden. Dann können Getriebetunnel, Motorlager, die Löcher der Krümmer (RV8-Style) und andere Feinheiten für die finalen Blecharbeiten definiert werden. Weiterer Nebeneffekt: Meine Werkstatt bietet dann wieder etwas mehr Platz, denn derzeit quillt sie aus allen Nähten: Zwei fertige MG-Achsen, ein Vierzylinder, ein V8, zwei Getriebe, zwei Motorräder, diverse Mercedes-Teile, haufenweise Kleinkram. Wäre gut, wenn sich das in den nächsten Wochen sortiert…

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2 Gedanken zu “Nägel mit V8-Köpfen

  1. Hey Jörg, in der Tat! Bin gerade erst heute Abend mit Axel Schmutzler und einem 3,5er GT (ca. 160 PS) über die Autobahn gebollert. Er hat´s kurz brennen lassen – das war sehr unterhaltsam. Schnurstracks war man bei 180 (was mich lehrt, dass die lange Übersetzung Pflicht ist…).
    Und auch ich freue mich besonders auf den Widerspruch „kleines Auto vs. dicker Motor“. Meinem GT soll man die Power später nicht sofort ansehen. Keine überbreiten Reifen, keine Hutzen oder breite Kotflügel. Kein optisches Rumgeprolle. Wird sicher gut… 😉

  2. Hallo Sven,
    nun muß ich doch noch meinen Senf dazugeben;-)
    Also wenn man in diesem wunderhübschen kleinen Auto sitzt und startet den Motor, dann kann man nichts anderes machen, als sich diebisch freuen. Du wirst es lieben. Gerade der Gegensatz von der Karosse und dem Motor macht es besonders liebenswert. Und dann der fette Sound dazu, einfach geil. Ich bin gespannt!!!
    Frohes Schaffen
    Jörg

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