Im achten Himmel

Wow, das ist ein gutes Gefühl… Ich habe gestern Abend den V8 bis auf die Knochen zerrupft und muss feststellen: Mein holländisches Schnäppchen ist wirklich eines! Wer hätte das gedacht…?

Nachdem ich mit einem guten alten Stahlrohr als Hebel die je 10 Bolzen der Köpfe gelöst hatte, flutschten sie nur so vom Rumpf. Darunter verbarg sich neben intakten Zylinderkopfdichtungen der freie Blick auf Ventile und Kolben. Ums kurz zu machen: Neben ein paar harmlosen Kohleablagerungen sieht alles noch fit aus. Honspuren in den Zylindern sind gut erkennbar, es lassen sich darin keine Stufen erfühlen, die Köpfe sind nicht gerissen und dichteten wohl bis zuletzt gut ab. Teilerfolg Nummer Eins.

Nun ging’s der Schwungscheibe an den Kragen. Da mein V8 mit einer Automatik verheiratet war ist dieser Begriff aber eigentlich falsch. Vielmehr ist hier nur ein steifes Blech mitsamt Anlasserkranz auf der Kurbelwelle verbaut. Die vier Bolzen lösten sich im Nu – genauso wie die über Wochen in WD40 eingeweichte Verschraubung der Riemenscheibe. Teilerfolg Nummer Zwei.

Dann brachte ich die Adapterplatte des Motorständers an der Rückseite des Motors an – zwei Bolzen genügten dafür durchaus. Weil der Brocken mitsamt Innereien aber so dermaßen schwer ist, konnte ich den Motor nicht allein auf die Beine stellen, sondern bekam Hilfe vom besten Vater aller Zeiten. Zwei Mann, zwei Ecken – und das Ding stand. Nun war es ein Leichtes, den Motor zu drehen und die Stößel zu entfernen. Die 16 kleinen Zylinder sowie ihre Führungen sind offenbar noch in gutem Zustand, es ist kein Pitting erkennbar. Selbst die Nockenwelle darunter scheint noch gut zu sein. Teilerfolg Nummer Drei.

Mit den ausgebauten Stößeln war das Drehen des Motors um 180° möglich. Die Ölwanne war dann schnell entfernt. In ihr sind nur übliche Ablagerungen zu erkennen, keine Metall-Anteile. Das beruhigt ungemein! Ich entfernte noch irgendeinen komischen Sensor, das Frontcover sowie die beiden Motorhalter und hatte dann Zeit, die Steuerkette und den Kurbeltrieb eingehend zu checken. Auch hier ist alles im grünen Bereich; keine wesentlichen Verschleißerscheinungen oder gar schlimmere Erkenntnisse. Teilerfolg Nummer Vier.

Mit dem Blick in den Bauch des Motors konnte ich mir nochmal das sog. „Crossbolt“-Konzept vor Augen führen: Die fünf Lagerschalen der Kurbelwelle (beim 3.9, 4.0 und 4.6-Liter) sind nämlich nicht nur vertikal, sondern auch horizontal – also durch den Rumpf nach außen verschraubt. Das gibt dem ganzen angeblich mehr Steifigkeit und hindert die Kurbelwelle am Flexen und Schwingen. Feine Sache, schließlich habe ich damit den bestmöglichen aller Rover-V8 an Bord. 😉

In Anbetracht des Abends erwäge ich nun, den V8 nicht noch weiter zu strippen. Das wäre womöglich mehr Arbeit als nötig, denn der Zustand scheint erstaunlich gut zu sein. Natürlich werden aber – nach eingehender Reinigung (die ich vorher hätte machen sollen…) – noch einige Messungen stattfinden, welche die wirklich gute Basis hoffentlich weiter untermauern.

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