Schweißarbeiten Vol. 17 – Oder: Über den Frevel

Der gestrige Besuch bei Classic Wheels, in Spencers Asyl, war spontan, weshalb mir nur meine Handykamera zur Verfügung stand, um die aktuellen Arbeiten zu dokumentieren. Schweißer Krzysztof bemühte sich wie immer vergeblich, meinen fotografischen Ambitionen ein Ende zu setzen – ein spaßiges Spiel, das wir nun schon über ein Jahr lang in Perfektion betreiben…

Das ist zuletzt passiert:

  • Das gesamt Heck, außer der Heckschürze unter der Stoßstange, ist in Position gebracht
  • Der rechte, hintere sowie die beiden vorderen Kotflügel wurden final montiert
  • Endlich kamen neuen Dachrinnen von BMH Ltd., die eingepasst wurden
  • Im Bereich der Dreiecksfenster ist das Meiste getan
  • Sicken und Kedernähte wurden „gecleant“

Das Cleanen MGB-typische Qualitätsmerkmale wird unter Kennern und MG-Freunden sicher mit Kopfschütteln betrachtet. Schließlich gelten diese charakterstarken Insignien als Indikator für eine gute oder eben schlechte Restauration. Keder müssen frei von Rost, die Passungen der Schweller klar sichtbar sein und linear verlaufen. Soweit der übliche Standard.

Dass ich mich damit nicht zwingend identifiziere ist hier wohl schon des Öfteren deutlich geworden: Ein V8 im Mk. 1? Sinnentleerte Domstrebe im Kofferraum? Veränderte Karosseriedetails? Warum nicht?!

Ohne Frage, ich finde perfekt restaurierte Fahrzeug wunderbar und kann mich an originalen Details genauso erfreuen wie Freaks, die bereits beim Betrachten einer nicht ganz originalen Schraubenkopfform Spliss bekommen. Was mich von ihnen unterscheidet? Ich finde den anderen Schraubenkopf völlig in Ordnung – insofern er nicht völlig geschmacksverirrt aus dem Rahmen fällt. Eine Torx-Schraube am Bugatti Typ 35 – das wäre auch mir zu blöd!

Die Änderungen an Spencers Karosserie – mit der Konsequenz glatterer Übergänge, fließender Flächen und hoffentlich verbesserter Rost-Vorsorge – sind nicht Bestandteil einer normalen Restauration, sondern eben Teil meines ganz persönlichen Resto-Mod-Projekts. Und unter dieser Überschrift steht mein Blog schon seit Jahren.

Das heißt: Originalität ist schön, doch mir bedeutet die Erfüllung individueller ästhetischer Ideale mehr als die historisch einwandfreie Wiederherstellung eines Fahrzeugs. Zumal ein MGB GT selbst als frühes 1966er Baujahr nicht die blaue Mauritius der Klassiker-Szene darstellt und Veränderungen ohne Gesichtsverlust auch moralisch vertretbar sind – wie ich finde…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s