Rover V8: Kolben – Auswahl und Optimierung

Graue, zäh dahinfließende Wintertage werden für den geneigten Bastelfreak in der Werkstatt schnell zum belebenden Highlight. Besonders, wenn man auf der Werkbank einen Satz neuer Kolben zu liegen hat, die zum Einbau in den persönlichen Traumwagen vorgesehen sind…

Für Spencers 4.6er V8 habe ich originale Land Rover-Kolben gekauft (ERR5553). Zwar waren die alten Kolben noch im grünen Bereich (Soll-Maß +/- 0,01 mm, leichte Laufspuren). Doch sie beruhigen den Perfektionisten in mir und erhöhen mit meinen 4.6er-Köpfen außerdem die Verdichtung (mit Komposit-Dichtung knapp unter 10:1). Die Bohrung von ~94 mm ist bei 4.0 und 4.6 identisch.

Meine neuen „B-Grade“-Kolben haben ein Übermaß von 0,020“, was für die neuen Laufbuchsen kein Problem ist – sie müssen sowieso initial bearbeitet werden. Auf teure Schmiedekolben habe ich aber verzichtet, weil Spencers Antrieb auch mit Serienware gut im Futter stehen sollte und haltbar sein wird. Viele tausend Schlachtschiffe von Land- und Range-Rover können nicht irren…

Natürlich wollte ich die Kolbengewichte nach alter Tuning-Manier aneinander angleichen – so, wie ich es schon vor gut drei Jahren mit den Kolben des Vierzylinders getan hatte. Die V8-Kolben (mitsamt Bolzen und Ringen) haben glücklicherweise eine sehr geringe Streuung. Die Messung mit der Feinwaage ergab einen maximalen Gewichtsunterschied von nur 2,0 Gramm (0,33%) – ein sehr guter Wert für Serien-Guss-Kolben.

Trotzdem – mein Spieltrieb verlangte nach Optimierung. Den gestrigen Abend verbrachte ich deshalb mit dem Dremel in der Hand. Und ging wie folgt vor:

  • Auswiegen mit der Feinwaage (mehrere Durchgänge in gleicher Lage, um Messfehler zu vermeiden); bis auf die erste Dezimale
  • Erstellung einer kleinen Tabelle für besseren Überblick
  • Entnahme der Kolbenbolzen (sind im Weg und können schnell beschädigt werden)
  • Homogenes Abschleifen von unnötigem Material im Inneren der schwereren Kolben – unbedingt mit seriöser Schutzbrille!

Wichtig ist, die konstruktiven Eigenschaften des Kolbens durch den Abtrag von Material nicht zu schwächen. Beim V8 bieten sich kleinen Stege unter dem Kolbenbolzen an, deren Effekt mit max. 0,3 Gramm aber recht gering ist. Mehr „Fleisch“ kann man flächig in den Rundungen der Kolben-Innenseite entfernen. Die maximal 2,0 Gramm (in etwa so viel wie eine kleine Unterlegscheibe) habe ich mit einem runden Metallfräser auf maximaler Drehzahl entfernt und die Flächen mit einem Fächerschleifer geglättet (die letzten zwei Bilder der Galerie). Natürlich muss man dabei höllisch aufpassen, weder das Äußere des Kolbens noch die Passung für den Kolbenbolzen zu beschädigen. Und natürlich darf man nicht mehr als nötig entfernen, sonst muss alles wiederholt werden. Regelmäßiges Messen ist also Pflicht. Wenn ich das aber in knapp zwei Stunden schaffe kann es auch jeder andere Hobbybastler…

Nach den Kolben folgt nun die Optimierung der Pleuel. Doch – wie sich zeigt – ist das eine wesentlich komplexere Angelegenheit, die weit über bestehende Klischees hinaus geht. Mehr über diese spannenden Erkenntnisse in Kürze!

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