PROJEKT

Nachdem ich den Neuaufbau meiner Guzzi im Frühjahr 2010 abgeschlossen hatte, zuckte meine Schrauberhand immer öfter. Sie brauchte eine neue Droge!

Spencer, so heißt mein GT, war gefundenes Fressen und befand sich bereits beim Kauf 2008 in einem – na ja… – zweifelhaften Zustand. Ein nachlässig korrigierter Heckschaden und Restaurationsnarben der vormaligen Besitzer zeugten schon bei der ersten Probefahrt vom Anspruch englischer Handwerkskunst. Trotz dessen ließ ich es mir in Begleitung eines guten Freundes nicht nehmen, den kleinen GT von Preston bei Liverpool „on the road“ in die Heimat zu chauffieren. Es war ein sehr unterhaltsamer Roadtrip.

Nach gut zwei erlebnisreichen Jahren am Steuer war es also Zeit für eine gründliche Generalüberholung – mit dem Ziel, den Briten in einen nach wie vor H-zulassungsfähigen Alltagsoldie zu verwandeln. Mit einigen Verbesserungen, versteht sich. Das ach sooo himmlische V8-Fieber war dabei vier Jahre trotz einiger Sehnsüchte kein Thema, ist mittlerweile aber ausgebrochen und damit wesentlicher Bestandteil des Projekts. Denn doppelt so viel Hubraum hält besser! Trotzdem soll der GT dem Begriff des alten Eisens, dem Vermächtnis der Marke MG und meinen ästhetischen Ansprüchen gleichermaßen gerecht werden.

Folgende Arbeiten sind daher geplant:

–          Nachhaltige Restauration der Karosserie mit KTL-Beschichtung und neuem Lack

–          Neuaufbau und Einbau eines V8-Motors, ggf. mit mildem Tuning

–          Austausch des 3-Synchro- gegen ein LT77-Getriebe

–          Aufwertung des Fahrwerks, u. a. neue 15-Zoll-Felgen

–          Auffrischen des Innenraums mit neuem Leder

–          Modernisierung der Elektrik

–          Tausende Details überdenken

Sieben zarte Stichpunkte, die es in sich haben, denn wie fast immer im Leben stellte sich die Frage des Sinns! Warum bloß einen blind und überteuert gekauften englischen Sportwagen aufbauen, wenn man für die Kosten beispielsweise auch eine ansehnliche Weltreise unternehmen kann? Oder zwei bis drei perfekte GT kauft…

Ganz klar: Weil die Reise in die Welt von Handwerk und Mechanik eine ähnlich große Bereicherung für mich ist. Denn nicht erst seit M. B. Crawfords „Shop Class as Soulcraft“ ist mir bewußt: Meine imaginäre Yoga-Matte liegt unter der Hebebühne. Logische, vielleicht sogar rationale Momente treten also in den Hintergrund, denn sie sind schlicht nicht wichtig! Es gehts ums Verwirklichen, um Ausgleich, ums Lernen.

Vor diesem Hintergrund werde ich hier das Siegen und Scheitern bei der Restauration meines geliebten 1966er MGB GT Mk. I dokumentieren. Denn warum soll man nicht auch seine Erfahrung mit Anderen teilen, um denen Pleiten, Pech und Pannen zu ersparen?

Los geht´s – ganz nach dem Motto:

Spencer is dead. Long live Spencer!

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